Fahrt des FC Bayern Fanclubs Rot-Weisse-Traun Traunstein e.V. zum UEFA Championsleague Endspiels nach Madrid,

oder: Gedanken über ein unvergeßliches Ereignis:

Wenn den Mitgliedern der Rot-Weissen-Traun im November vergangenen Jahres jemand gesagt hätte, dass sie live den FC Bayern im Bernabeau Stadion unterstützen, hätten diese wahrscheinlich mit einem “a geh, hör auf“ reagiert. Damals war die Mannschaft am Tiefpunkt der Saison angekommen. Dank eines grossartigen 4:1 Sieges in Turin und durch das Ausschalten von Florenz, Manchester United und Lyon, hatte sich der FC Bayern bis ins Finale nach Madrid gekämpft. Der Gegner in Madrid war Inter Mailand.

So also stand man einen Tag vor dem Finale um 5 Uhr morgens am Bahnhof in Traunstein und überlegte sich, wie man die ca. 30 stündige Busfahrt überhaupt durchhält. Gedanken wie: “Fenster oder Gangplatz wählen?“ “Ist es besser vorne oder hinten im Bus zu sitzen?“ “Jogginghose oder gleich Lederhose anziehen?“ “Hab ich auch wirklich die Zahnbürste dabei?“ schossen durch den Kopf. Diese verflogen aber durch die Vorfreunde auf das Ereignis wieder relativ schnell.

Mit 43 Mitfahrern, 3 Busfahrern und 65 Getränkekisten hat sich der Bus von Traunstein aus in Bewegung gesetzt. In München wurden die letzten Mitfahrer unserer Finaltour aufgenommen. Ein Tourplaner, der von einem RWT Mitglied erstellt wurde, hat die Mitreisenden u.a. über die Fahrtroute, die Stadt Madrid und den Finalgegner informiert.

Die Fahrt ging zunächst über Lindau, Bern, Lausanne nach Lyon. Unterbrochen wurde die Fahrt etwa immer alle 2 Stunden. Dann wurde immer eine Pause eingelegt. Es stellten sich wieder Fragen: “Wo sind wir eigentlich gerade?“ “Wacht mein eingeschlafenes Bein wieder auf?“ “Sind die Raststättentoiletten auch so sauber wie daheim?“ “Fährt der Bus auch ohne mich weg?“ Es wurde jeder jedesmal mitgenommen, den die unsägliche Durchsage, “hat jeder seinen Nachbarn“, wurde ernst genommen.

In Lyon gab es dann eine Sandwich Brotzeit. Dadurch, dass die Organisatoren genügend Proviant mitgenommen haben, konnte sich jeder sein Sandwich belegen, wie er möchte. Einen besonderen Dank gilt den weiblichen Mitfahrerinnen, die das Belegen professionell übernommen haben.

Über Avignon, Montpellier ging es über die spanische Grenze. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Es mussten noch etwa 700 km bis in die spanische Landeshauptstadt gefahren werden. Manche Mitfahrer hatten tatsächlich eine einigermaßen gemütliche Schlafposition einnehmen können und konnten die Nacht durchschlafen. Der Rest hat die Zeit mit dem einen oder anderen Getränk überbrückt, nach dem Motto: “Schlafen kann ich auch daheim.“

Am Vormittag ist der Bus in Madrid angekommen. Einige Mitglieder sahen nach der langen Fahrt noch relativ fit aus, die anderen hatten Sonnenbrillen auf. Das Wetter meinte es gut mit uns. 26 Grad im Schatten konnte man schon aushalten.Die meisten Fans haben sich dann erstmal auf den Weg in die Innenstadt von Madrid gemacht. Die Zeit war natürlich zu knapp, um sich alle Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Das spanische Flair konnte aber durch das Flanieren auf den Straßen und Plätzen aufgenommen werden. Nicht umsonst wird Madrid auch als Diva bezeichnet. Selbstbewußt und eitel aber auch kontaktfreudig (mancher Taschendieb meinte dies zu wörtlich!) und lebendig. Auf dem “Plaza Major“ haben sich die meisten Fans der beiden Endspielgegner eingefunden. Die Duelle der Fangesänge waren schon von weiten zu hören.

Da es sich ja um ein Endspiel handelt, wollte man auch nicht zu spät ins Stadion gehen. Deshalb haben sich die meistens Fans schon relativ pünktlich im Estadio Santiago Bernabeau eingefunden. Wenn man die Ränge das erstemal betritt, stockt einem schon ein bisschen der Atem. Stadien mit so steilen Rängen gibt es nicht viele in Europa. Jeder Fan hat erstmal die Atmosphäre eines Championsleague Endspiels genossen. Als Bayern Fan hat man diese Möglichkeit vielleicht alle 10 Jahre. Da muss man jede Minute genießen.

Die Stimmung der Bayern Fans war beim Anpfiff hervorragend. Auch nach dem 0:1 für Inter und während der Halbzeitpause, wurde nochmal Mut geschöpft, dass der Ausgleich fallen kann. Doch die große Chance kurz nach der Halbzeit, konnte leider nicht durch Müller verwertet werden. Durch das zweite Tor von Inter wußte jeder Bayern Fan, dass es sehr schwierig wird, diese italienische Abwehr zu knacken. Bis zum Schlusspfiff ist dies den Bayern auch nicht mehr geglückt. In den meisten Bayern Fans ist eine Art “Leere“ entstanden: “War es das wirklich?“ Das Feuerwerk für den Sieger holte einen dann wieder in die Realität zurück. So eine Chance live dabei zu sein, wenn die Bayern den Cup gewinnen, gibt es nicht oft. Natürlich war die Enttäuschung groß. Im Nachhinein kam man zu der Erkenntnis, dass die Mannschaft alles gegeben hat, es aber nicht gereicht hat im Finale. Die gute Saison mit der Meisterschaft und dem Pokalsieg half ein bisschen hinweg über diese Niederlage.

Zurück am Bus stieg der Konsum von antialkoholischen Getränken rapide an. Der sehr warmen Nacht von Madrid und dem Endspiel musste getränketechnisch Tribut gezollt werden. Kurz vor Antritt der Rückfahrt um halb zwölf in der Nacht, schoßen einem wieder die Gedanken durch den Kopf: “Wäre ich bloß mit dem Flugzeug geflogen!“ “Wie fertig schaue ich nach 30 Stunden Rückfahrt aus?“ “Ist mein Sitznachbar auch schon am Bus?“

Auf der Rückfahrt ist dann nochmal das ein oder andere Bier aufgemacht worden. Trotz der Niederlage wurde auf die Mannschaft angestoßen. Die Rückfahrt verlief relativ zügig. Um vier Uhr Nachts ist der Bus wieder unversehrt in Traunstein angekommen. Trotz der insgesamt knapp zweimal 30 Stunden im Bus, machte sich jedes Mitglied der Rot-Weissen- Traun mit einem Gedanken auf den Heimweg: “Danke, dass ich dabei sein dürfte, das nächste mal bin ich wieder dabei! Weder Schlafmangel noch Rückenschmerzen vom Sitzen können uns davon abhalten.“

So eine Fahrt durch halb Europa, ist eine große Sache für den Fanclub. Die Mitglieder der Busorganisation haben teilweise schon Wochen vorher diese Reise geplant. Allen Organisationsmitgliedern ein herzliches Dankeschön. Nur wenn alle zusammen mit anpacken, sind solche Ereignisse zu stemmen.

Schriftführer: Markus Baumeister